Trends im E-Learning: Eigenverantwortliches Lernen

Team building and climbingBild aufgenommen von jurvetson. Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir nach der 7. Klasse einen neuen Mathe-Lehrer bekamen und auf einmal die abstrakte Rechnerei alle besser verstanden. Unser alter Lehrer hatte nur vorne gestanden und doziert, sodass die meisten abschalteten oder sich mit anderen Dingen beschäftigten. Der neue Lehrer aber teilte uns in Gruppen ein und ließ uns ein Architektur-Projekt durchführen. Wir sollten ein Haus designen und seine Kosten kalkulieren. Für 8.-Klässler eine interessante Aufgabe, wir waren begeistert und investierten viel Zeit in unser Projekt.

Beim E-Learning fehlen diese proaktiven Impulse vielerorts. Wir diskutieren in der E-Learning-Community seit Jahren über konstruktivistische Lernansätze, doch schaffen es nur selten, diese auch umzusetzen.

Wieso lassen es nur die wenigsten Lernplattformen zu, dass die Nutzer selbstständig ihren Lernerfolg in Form von Lerneinheiten dokumentieren und veröffentlichen? Meist ist die Angst da, es könne nicht verifizierter Inhalt für bare Münze genommen werden. Dieses Gefahr mag bestehen, doch überwiegen bei weitem die Vorteile des eigenverantwortlichen Lernens.

In der wirtschaft+weiterbildung Ausgabe 1/2009 äußert sich die Leiterin des Swiss Centre for Innovations in Learning (Scil) Professor Dr. Sabine Seufert zum Thema E-Learning und Web2.0-Technologien. Ihrer Meinung nach brauche die Wirtschaft „heute mehr denn je dieses 'neue Lernen'.“ Dabei soll den Mitarbeitern ermöglicht werden, sich „eigeninitiativ und dynamisch“ weiterzuentwickeln (S. 34).

Web2.0-Technologien ermöglichen gerade das so wichtige selbstorganisierte Lernen, bei dem sich Lernende in einem losen Verbund organisieren und gemeinsam über die Themen diskutieren. Ansätze zeigen hier partizipative Aspekte wie die Angebote www.grockit.com und www.mediabird.net. Dabei steht im Vordergrund, dass die Nutzer selbst aktiv werden und ihr Wissen selbst organisieren, ähnlich wie bei Wikipedia die Inhalte von der Community erschaffen werden.

Konstruktivistische Lernansätze ermöglichen auch eine Bottom-Up-Kommunikation von den Lernenden zurück zu den Dozenten und Verantwortlichen. Diese erhalten aufgrund der Selbststeuerung des Lernens wertvolles Feedback zu Schwächen und Stärken der Lernenden und können das Kursangebot entsprechend gemeinsam mit den Teilnehmern optimieren.

Insgesamt bleibt zu hoffen, dass verstärkt auf Web2.0-Ansätze gesetzt wird, um Studierenden und Mitarbeitern zu ermöglichen, ihrer Bildung und Fortbildung mit höherer Motivation und stärkerer Eigenverantwortung zu begegnen.

Fabian Gebert

2009/01/15 10:48

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